Waldreport
W.A.L.D.- Report
Brauchen wir den Wolf in unserem Wald?
Teil 3: Der Wolf als Schlüsselfaktor im Ökosystem Wald
Im letzten Teil unserer Serie wollen wir uns einer der spannendsten und zugleich kontroversesten Fragen der heutigen Forstwirtschaft widmen: Braucht unser Wald den Wolf? Während sich in Teil 1 und 2 alles um die Jagd und technische sowie chemische Schutzmaßnahmen drehte, schauen wir heute auf das natürliche Gleichgewicht. Der Wolf – lange Zeit aus unseren Wäldern verschwunden – kehrt langsam zurück. Doch welche Rolle spielt dieses Raubtier im modernen Forstschutz? Trägt der Wolf tatsächlich dazu bei, die Wildbestände zu regulieren und so den Wald zu schützen? Die Antwort darauf lautet: ganz klar Ja.
1. Der Wolf als Regulator von Wildbeständen
Der Wolf ist ein natürlicher Feind vieler Wildarten, insbesondere von Rehen und Hirschen, und trägt entscheidend dazu bei, die Populationen dieser Tiere in Schach zu halten. Ohne natürliche Feinde haben sich Wildbestände vielerorts ungehindert vermehrt, was zu einer Überpopulation führte – mit gravierenden Folgen für die Forstwirtschaft, wie wir in den vorherigen Teilen gesehen haben. Durch Verbiss, Fegen und Schälen schädigt das Wild insbesondere junge Forstkulturen, die für die nachhaltige Entwicklung unserer Wälder von entscheidender Bedeutung sind.
Der Wolf reduziert den Verbissdruck
Indem der Wolf als Beutegreifer auf Reh-, Rot- und Damwild Jagd macht, verringert er deren Bestände und trägt somit zur Reduzierung des Verbissdrucks bei. Besonders junge Pflanzen, die oft Opfer von Wildschäden werden, haben eine deutlich bessere Überlebenschance, wenn die Wilddichte durch natürliche Feinde wie den Wolf gesenkt wird.
Vorteile:
- Effizienz: Der Wolf jagt gezielt kranke, schwache oder unerfahrene Tiere und hält so den Bestand gesund, was den Druck auf die Vegetation verringert. Seine Jagd ist nicht saisonal begrenzt, sondern eine konstante Regulierung.
- Natürliches Gleichgewicht: Anders als die Jagd durch den Menschen greift der Wolf viel stärker in die Dynamik der Wildpopulation ein. Durch seine Anwesenheit werden Wildtiere vorsichtiger und ändern ihr Verhalten – zum Beispiel meiden sie bestimmte Areale, was der Verjüngung der Waldflächen zugutekommt.
- Kostenfrei und autark: Im Gegensatz zu mechanischen oder chemischen Schutzmaßnahmen verursacht der Wolf keine direkten Kosten. Er übernimmt seine Aufgabe als natürlicher Regulator autark und ohne menschliches Zutun.
Verhaltensänderung des Wildes
Nicht nur durch die direkte Bejagung trägt der Wolf zum Forstschutz bei, sondern auch durch die Veränderung des Verhaltens des Wildes. In Gebieten, in denen Wölfe regelmäßig vorkommen, haben Wissenschaftler beobachtet, dass Wildtiere vorsichtiger werden und sich seltener auf offenen Flächen oder in jungen Kulturen aufhalten – genau dort, wo Verbissschäden am größten sind.
Vorteile:
- Verstärkte Rückzugstendenzen: Rehe und Hirsche meiden Gebiete, in denen sie sich sicher fühlen müssen, was die Bejagung durch den Wolf erschwert. Diese Gebiete sind häufig forstwirtschaftlich genutzte Flächen, sodass der Schutz vor Verbissschäden steigt.
- Förderung der Biodiversität: Durch die Veränderung des Wildverhaltens wird auch die natürliche Dynamik der Pflanzenwelt gefördert. Arten, die sonst von starkem Verbiss betroffen wären, können sich besser entwickeln, was zu einer größeren Artenvielfalt im Wald führt.
- Langfristige Effekte: Die Anpassung des Wildverhaltens ist ein Prozess, der langfristig zum Schutz der Waldkulturen beiträgt, und nicht nur von der direkten Wilddichte abhängig ist.
2. Herausforderungen und Kritik
Natürlich ist die Rückkehr des Wolfs nicht ohne Herausforderungen. Besonders in der Nutztierhaltung und für die Jagd ergeben sich Konflikte, die nicht ignoriert werden dürfen. Schaf- und Rinderhalter sehen sich oft durch Wolfsrisse bedroht, und auch viele Jäger sehen den Wolf als Konkurrenten. Diese Ängste und Probleme sind nachvollziehbar, doch es gibt Möglichkeiten, diese Konflikte durch gezielte Maßnahmen zu lösen. Schutzmaßnahmen wie Herdenschutzhunde und Zäune sind hier sinnvoll und tragen dazu bei, ein Nebeneinander von Mensch, Wolf und landwirtschaftlicher Nutzung zu ermöglichen.
Nachteile:
- Konflikte mit Nutztierhaltung: In Gebieten, in denen der Wolf präsent ist, kommt es immer wieder zu Rissen von Schafen oder anderen Nutztieren. Dies erfordert Maßnahmen, um Tierhalter zu unterstützen und Schäden zu kompensieren.
- Eingriff in Jagdgebiete: Für Jäger bedeutet die Rückkehr des Wolfs eine Konkurrenzsituation, da er ebenfalls Wildbestände dezimiert. Dies kann zu Spannungen führen, vor allem in stark bejagten Revieren.
- Schwierige Akzeptanz: Die Akzeptanz des Wolfs in der Bevölkerung ist noch nicht überall gleich hoch. Vor allem in ländlichen Gebieten, die wirtschaftlich auf Nutztierhaltung angewiesen sind, muss viel Aufklärungsarbeit geleistet werden.
3. Fazit: Brauchen wir den Wolf im Wald?
Die Antwort ist klar: Ja, unser Wald braucht den Wolf. Der Wolf leistet einen wichtigen Beitrag zur Regulierung von Wildbeständen und hilft dabei, das Gleichgewicht in unseren Wäldern zu erhalten. Er bringt nicht nur die Natur zurück in ihre natürliche Balance, sondern reduziert auch den Verbissdruck auf Forstkulturen und fördert damit die gesunde Entwicklung unserer Wälder. Natürlich müssen wir lernen, mit den Herausforderungen umzugehen, die die Rückkehr des Wolfs mit sich bringt. Aber durch gezielte Schutzmaßnahmen und eine offene Diskussion über die Bedeutung dieses faszinierenden Tieres können wir den Weg für ein Miteinander von Mensch, Wolf und Wald ebnen.
In einer Zeit, in der der Schutz unserer natürlichen Ressourcen wichtiger ist denn je, können wir uns die Rolle des Wolfs im Forstschutz nicht mehr wegdenken. Denn nur durch das Zusammenspiel aller Kräfte – der Jagd, mechanischer und chemischer Maßnahmen sowie der natürlichen Regulierung durch den Wolf – können wir langfristig gesunde und widerstandsfähige Wälder erhalten.
Mit forstlichen Grüßen
Richard Schneider
W.A.L.D.- Report
Brauchen wir den Wolf in unserem Wald?
Teil 2: Forstschutz ohne die Jagd – Mechanische und chemische Schutzmaßnahmen
Im ersten Teil des W.A.L.D.-Reports haben wir uns mit der Jagd als wichtige Methode zur Regulierung des Wildbestands und zum Schutz der Forstkulturen auseinandergesetzt. Doch die Jagd allein kann nicht alle Probleme lösen. Daher gibt es eine Reihe von mechanischen und chemischen Möglichkeiten, die junge Bäume vor Verbiss und anderen Schäden durch Wild schützen. Heute werfen wir einen Blick auf diese Alternativen und erörtern deren Vor- und Nachteile, insbesondere in Bezug auf Effizienz, Kosten und den Aufwand, der für ihren Einsatz erforderlich ist.
1. Mechanischer Schutz: Zäune und Schutzhüllen
Eine der gängigsten Methoden im Forstschutz ist der Einsatz von mechanischen Barrieren, um den Zugang des Wildes zu den Pflanzen zu verhindern.
Wildschutzzäune
Wildschutzzäune bieten eine großflächige Lösung, um ganze Areale vor Wild zu schützen. Diese Zäune werden meist um forstwirtschaftlich genutzte Flächen oder besonders gefährdete Kulturflächen errichtet.
Vorteile:
- Hohe Effizienz: Wildschutzzäune bieten einen nahezu vollständigen Schutz gegen Verbiss. Besonders bei großen Flächen kann der Schutz effektiv und flächendeckend umgesetzt werden.
- Langfristige Lösung: Ein gut errichteter Zaun hält über viele Jahre, insbesondere wenn er regelmäßig gewartet wird.
- Weniger Wildkontakt: Da das Wild den Zugang gar nicht erst bekommt, sinkt die Wahrscheinlichkeit von Wildschäden auf nahezu null.
Nachteile:
- Hohe Kosten: Die Errichtung und Instandhaltung von Wildschutzzäunen ist teuer. Vor allem bei großen Flächen oder unwegsamem Gelände können die Kosten schnell in die Höhe schießen.
- Aufwand für Wiederabbau: Nach einer gewissen Zeit müssen die Zäune wieder abgebaut oder ersetzt werden. Der Rückbau kann sich als sehr zeitaufwendig und kostenintensiv erweisen.
- Eingriff ins Landschaftsbild: Zäune verändern das natürliche Landschaftsbild und können die Bewegungsfreiheit von Wildtieren erheblich einschränken.
Einzelschutzhüllen
Für kleinere Forstflächen oder besonders schützenswerte Einzelpflanzen werden oft Schutzhüllen verwendet. Diese Hüllen bestehen aus Kunststoff oder Metall und werden direkt um den jungen Baum angebracht.
Vorteile:
- Zielgerichteter Schutz: Schutzhüllen schützen einzelne Pflanzen und lassen sich gezielt dort einsetzen, wo der Verbissdruck besonders hoch ist.
- Geringere Kosten pro Pflanze: Im Vergleich zu großflächigen Zäunen sind die Kosten pro Pflanze niedriger, da nur einzelne Exemplare geschützt werden.
- Einfache Installation: Die Anbringung ist schnell und einfach, auch ohne aufwendige Technik.
Nachteile:
- Regelmäßige Kontrolle nötig: Schutzhüllen müssen regelmäßig kontrolliert und gegebenenfalls angepasst werden, da sie bei Wachstum der Pflanzen oder durch Witterung beschädigt werden können.
- Langfristige Umweltbelastung: Besonders Kunststoffhüllen müssen nach einer bestimmten Zeit entfernt und entsorgt werden. Dies kann zu einer erheblichen Umweltbelastung führen, wenn sie nicht fachgerecht recycelt werden.
- Begrenzte Wirkung: Schutzhüllen schützen nur gegen Verbiss, bieten jedoch keinen Schutz gegen andere Wildschäden wie Fegen oder Schälen.
2. Chemischer Schutz: Verbissschutzmittel
Eine weitere Möglichkeit, Wild von jungen Forstpflanzen fernzuhalten, ist der Einsatz von chemischen Mitteln, die die Pflanzen ungenießbar oder unangenehm für das Wild machen. Diese Mittel werden in der Regel auf die Pflanzen aufgesprüht oder gestrichen.
Repellents (Abschreckende Mittel)
Repellents sind chemische Substanzen, die auf die Pflanze aufgebracht werden, um den Wildverbiss zu verhindern. Sie enthalten meist Bitterstoffe oder unangenehme Gerüche, die das Wild abschrecken sollen.
Vorteile:
- Einfache Anwendung: Die Mittel lassen sich schnell und großflächig auftragen, entweder per Hand oder mit Sprühgeräten.
- Kostenersparnis: Im Vergleich zu mechanischen Schutzmaßnahmen sind Repellents kostengünstiger, besonders auf kleineren Flächen oder bei weniger gefährdeten Kulturen.
- Keine Landschaftsveränderung: Chemische Mittel greifen nicht in das Landschaftsbild ein und lassen sich flexibel einsetzen.
Nachteile:
- Kurze Wirkungsdauer: Der Schutz hält oft nur einige Wochen bis Monate an, insbesondere bei starkem Regen oder anderen Witterungseinflüssen.
- Wiederholte Anwendung erforderlich: Um einen langfristigen Schutz zu gewährleisten, muss das Mittel regelmäßig erneuert werden, was einen erheblichen Arbeitsaufwand bedeuten kann.
- Umweltbelastung: Einige chemische Mittel können negative Auswirkungen auf das Ökosystem haben, insbesondere wenn sie in großen Mengen oder über lange Zeiträume hinweg eingesetzt werden.
Bio-basierte Schutzmittel
Eine neuere Entwicklung im Bereich der chemischen Schutzmaßnahmen sind bio-basierte Mittel, die aus natürlichen Inhaltsstoffen bestehen und umweltfreundlicher sind.
Vorteile:
- Umweltfreundlich: Da die Inhaltsstoffe natürlichen Ursprungs sind, belasten sie die Umwelt weniger stark als synthetische Chemikalien.
- Akzeptanz: Bio-basierte Mittel werden von Forstbetrieben zunehmend bevorzugt, da sie den ökologischen Fußabdruck der Schutzmaßnahmen reduzieren.
- Flexibilität im Einsatz: Auch diese Mittel lassen sich schnell und einfach auf die Pflanzen auftragen und sind für verschiedene Wildarten abschreckend.
Nachteile:
- Kostenintensiver als synthetische Mittel: Bio-basierte Schutzmittel sind oft teurer in der Herstellung und Anwendung als synthetische Alternativen.
- Geringere Effizienz: Die Wirkungsdauer und Effektivität dieser Mittel kann im Vergleich zu synthetischen Produkten geringer sein, was häufigere Anwendungen erfordert.
- Begrenzte Verfügbarkeit: Noch sind bio-basierte Schutzmittel nicht flächendeckend verfügbar und die Forschung in diesem Bereich steckt teilweise noch in den Anfängen.
Abschließend lässt sich festhalten, dass sowohl mechanische als auch chemische Schutzmaßnahmen einen wichtigen Beitrag zum Forstschutz leisten können. Sie sollten jedoch stets als Ergänzung zur Jagd gesehen werden, da jedes System seine eigenen Stärken und Schwächen hat. Im dritten Teil dieses Berichts werden wir uns dann dem Wolf widmen und der Frage nachgehen, ob dieses faszinierende Tier in der Lage ist, wieder eine Rolle im Gleichgewicht des Waldes zu spielen. Seid gespannt!
Mit forstlichen Grüßen
Richard Schneider
W.A.L.D.- Report
Brauchen wir den Wolf in unserem Wald?
Teil 1: Die Jagd als Forstschutz im Fokus
Vor einigen Tagen durfte ich ein sehr inspirierendes Gespräch mit alten Freunden führen. Dabei konnte ich feststellen, dass die Thematik Forstschutz, Jagd und Wolf sich doch größeren Interesses erfreuen als bislang von mir angenommen. Somit wird diesem spannenden Tier die Ehre zuteil, den ersten Waldreport zu titulieren.
Doch fangen wir von vorne an:
Mein alter Freund fragte mich, ob ich denn zur Jagd gehe und was die Jagd für den Wald bedeutet. Natürlich liegt es auf der Hand, dass Wild gerne gegessen wird und ohne den Jäger ist es schwierig, Wildschweinbraten auf den Teller zu bekommen. Doch im Zeitalter der hochmodernen Landwirtschaft spielt die Jagd zum Zwecke der Versorgung der Bevölkerung mit Nahrungsmitteln eine weit untergeordnete Rolle. Nun stellt sich also die Frage „Warum gehen wir heutzutage noch jagen? Ist es mittlerweile ein reines Hobby oder verfolgt die Jagd doch einen tieferen Sinn?“
Die Antwort ist schnell gefunden und eindeutig: Ja! – Die Jagd hat definitiv einen tieferen Sinn. Um diesen allerdings ergründen zu können, müssen wir noch etwas weiter ausholen: Wie schon festgestellt, bringt die Jagd gutes, natürliches Fleisch auf den Teller – allerdings gestaltet sich das in Wildtiergehegen wesentlich effektiver. Eine weitere Rolle spielt auch die Ausübung des Brauchtums. – Dieses soll und muss gepflegt werden. Aber auch darauf möchte ich nicht hinaus und will dies auch nicht vertiefen.
Interessant wird es, wenn wir uns mit dem Begriff „Wildbestandsregulierung“ befassen: Es gibt kaum natürliche Feinde für viele Wildarten, insbesondere für Rehe, Wildschweine und Hirsche. Und genau hier greifen Forstwirtschaft und Jagd ineinander. Auch in der Landwirtschaft können die Wildschweine Schaden verursachen – aber das soll nicht Thema sein. Also bleiben wir beim Forst.
Wo es auf dem Feld eher die Schweine sind, die den Schaden verursachen, sind es im Wald Reh-, Rot- und Damwild, die Schäden an der Kultur hinterlassen. Warum dennoch auch die Bejagung des Schwarzwildes wichtig ist, wird später noch interessant. Die Regulierung der Wilddichte ist ein altbewährtes Mittel zum Forstschutz. Gerade in den letzten Jahren, die von Trockenheit geprägt waren, ist das letzte, was eine junge Forstpflanze gebrauchen konnte, dass sie von einem Reh zurück gefressen wird. Jetzt könnte man auf den Gedanken kommen, dass also der Jäger, alle Rehe abschießt, bis fast keine mehr das sind, um den gewünschten Effekt zu erzielen. Doch an dieser Stelle konnte ich meine Freunde beruhigen: Die Hege und Pflege des Wildes sind genauso wichtig. Es geht nie darum, eine Art auszurotten, denn das bringt ein Ungleichgewicht und eine endlose Liste an Nachteilen mit sich. Vielmehr geht es darum, eben dieses Gleichgewicht zu erhalten und gezielt Bereiche zu bejagen, in denen sich Forstkulturen befinden. Das Wild lernt und meidet solche Bereiche dann.
„Nun, aber warum ist es denn problematisch, dass das Reh an den Pflanzen frisst?“ (wir würden das als äßen bezeichnen) – Das kann man schnell erklären. Eine Buche kennt jeder. Die meisten denken an einen großen Baum mit starkem Stamm und einem höher liegenden Kronenansatz. Logisch, das ist die natürliche Wuchsform. Doch manchen fällt wahrscheinlich auch ihre Buchenhecke im Garten ein. Und genau das ist die Erklärung. Dieselbe Baumart, aber zwei grundverschiedene Formen. Wenn das Reh nun regelmäßig an dieser Buche äßt, bleibt eher eine Heckenpflanze als ein Baum. Daraus resultiert das Problem, dass sich kein Stamm entwickeln kann, und wenn doch, dann keiner, den man verwerten kann. Wenn es schlecht läuft, geht das kleine Bäumchen auch einfach ein. Das ist nicht gut für die Entwicklung des Waldes und auch nicht gut für die Forstwirtschaft. – Hier macht aber ganz klar die Menge das Gift. Wenn das an 20 Pflanzen passiert, kann man es verschmerzen. Wenn es allerdings 2000 sind, wird es problematisch. Neben dem beschriebenen „Verbiss“ gibt es noch weitere Schäden, die vom Wild verursacht werden: Fegeschäden und Schälschäden.

Fegeschaden an Tanne (Bildquelle:https://kwf2020.kwf-online.de/bewertung-von-wildschaeden-im-wald/)

Verbiss an Douglasie (Bildquelle:https://kwf2020.kwf-online.de/bewertung-von-wildschaeden-im-wald/)
Beim Lesen der Zeilen fällt auf: Reduzierte Wilddichte = Reduzierter Schaden an Forstkulturen. Je nach Flächenbeschaffenheit funktioniert die Bejagung besser oder schlechter, das hängt allerdings von einigen Faktoren ab. Wenn es nicht so gut funktioniert, gibt es noch einige andere Methoden zum Forstschutz, welche ich gern im Teil 2 des Themas beleuchten möchte. Im Teil 3 widme ich mich dann der Kernfrage: dem Wolf. Also seid gespannt!
Abschließend zum Thema möchte ich nochmal erwähnen, dass das Ökosystem Wald aus allen Lebewesen besteht, und keines mehr oder weniger wertvoll ist. Die Natur wird sich auch immer selbst regulieren, doch der Mensch musste sich einfach gewisse Bereiche schaffen, in denen er das gegebene Potential der Natur nutzt und in einen wirtschaftlichen Kontext setzt, da wir sonst ein großes Problem mit unseren Rohstoffen hätten. – Wenn man sich der Tatsache, dass wir als Mensch tief in die Vorgänge der Natur eingreifen müssen, um Rohstoffe zu gewinnen, stets bewusst ist, schult das einen verantwortungsvollem Umgang mit allen Ressourcen. Und das trägt wesentlich mehr zum Klimaschutz bei als man denkt.
In diesem Sinne ein Waidmannsheil an alle Jäger!
Mit forstlichen Grüßen
Richard Schneider
Was heißt W.A.L.D.- Report? Warum wurde er ins Leben gerufen?
Ich stoße in meinem alltäglichen Leben, egal ob als Dienstleister oder Privatperson, immer wieder auf sehr interessante Fragen rund um das Thema Wald. Schier endlos scheint mir das Themenspektrum und die Neugier der Menschen an den Geschehnissen im grünen Dickicht zu sein. Als gelernter Forstwirt und zertifizierter Baumpfleger ist es mir eine Herzensangelegenheit, euch mit Wissen auszustatten und vielleicht eine weitere neue Perspektive auf die Sicht der ein oder anderen Sache im Wald zu geben.
Der W.A.L.D.- Report ist keine statistische Faktensammlung oder irgendeine Art von Fachartikel. Es handelt sich viel mehr um spannende, lebensnahe Einblicke aus erster Hand - der eines Waldarbeiters. Schließlich heißt es doch mittlerweile überall „Wir müssen die Natur schützen! - Wir müssen unsere Bäume retten! - Wir müssen den Klimawandel begrenzen!“. Nur leider fehlt oftmals eben dieser Einblick zum Bewerten solcher Themen und der Tellerrand ist einfach zu groß, um den Blick darüber schweifen zu lassen. Allerdings möchte ich hier trotzdem nicht auf eine Politdebatte hinarbeiten. Eine Meinung kann sich schließlich jeder selbst bilden. Ich möchte meine Sicht der Dinge als Forstarbeiter und „Waldbursche“ gerne mit euch teilen.
Also gibt es hier ab und zu, wie es mir über den Weg läuft, die spannendsten Infos schön verpackt in kleine Geschichten und gespickt mit Wissensdingen, die hier und da zum Denken anregen und ein Schmankerl für den nächsten Stammtisch- Abend sein können.
Mit forstlichen Grüßen
Richard Schneider
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